Cembalo-Clavichord

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Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 30. Juli 2009 um 14:03 Uhr

Cembalo


Etwa zeitgleich zu den Clavichorden entstehen die Kielinstrumente Cembalo, Spinett und Virginal. Bezeichnungen in anderen Sprachen lauten: italienisch Clavicembalo, französisch Clavecin, englisch Harpsichord und niederländisch Clavezimbel. Durch die Saitenanordnung entsteht eine harfenähnliche Flügelform, wodurch das Cembalo in der Barockzeit auch oft Flügel genannt wurde.

Cembalo historisch


















Funktion

Die Tasten des Cembalos sind auf einer Wippe fixiert (Foto 1). An der Vorderseite drückt der Spieler die Taste, am hinteren Ende steht ein sogenannter Springer, in welchem ein Kiel angebracht ist, der an der Saite zupft. Bei zweimanualigen Cembali kann das obere Manual verschoben werden, wodurch es an das untere angekoppelt wird. Als Cembalobauer bin ich bestrebt, diesen empfindlichen Mechanismus so einzustellen, dass bei aller Präzision der Mechanik ein Optimum an sensiblem Spielgefühl entsteht, bei möglichst geringem Tastentiefgang.

Instrumententypen

Es gibt verschiedene Cembalotypen, jedoch kann man sie in zwei Hauptarten einteilen. Die Konstruktion der italienischen Bauweise geht vom Unterboden aus, auf dem alle konstruktiven Teile aufgebaut werden. In diesem Typ sind dünnwandige Instrumente gebaut, italienische Cembalos, aber auch Mietke und einige frühfranzösischen Cembali. Die andere Bauweise beschäftigt sich zunächst mit dem Gehäuse und erst nach der Fertigstellung wird der Unterboden aufgenagelt. In dieser Art sind die flämischen und französischen Instrumente gebaut, Ruckers, Blanchet, Hemsch und Dulcken. Weitere Varianten sind Spinette, bei denen die Saiten quer zur Klaviatur verlaufen und Virginale, deren Charakteristikum ist, dass beide Stege auf dem Resonanzboden stehen und somit ein topfigerer Klang erzeugt wird.

Cembali waren früher fast immer  bemalt, ganz selten gab es furnierte Instrumente. Nur einige dünnwandige italienische und frühfranzösische Typen wurden holzsichtig gebaut. Außen furniert wurden jedoch Hammerflügel.

Unterschiede

Die französischen Modelle wie Hemsch, Blanchet, Taskin haben einen mehr vom Spieler aus nach hinten gesetzten Waagebalken, wodurch eine leichte Spielart entsteht. Flämische Instrumente wie Ruckers, Dulcken,  haben den Waagebalken weiter vorne  zum Tastenbelag liegen, wodurch eine andere Spielart entsteht. Oft haben solche Instrumente eine Prall-Leiste, das ist eine Leiste, die den Tastentiefgang begrenzt, um die Spielart zu optimieren.Italienische Instrumente haben den Waagebalken meistens sehr weit vorne.

Klang

Klanglich kann man als grobe Faustregel sagen, je breiter ein Instrument ist, desto später und süßer wird der Klang. Je schmaler es gebaut wird, desto " antiker " klingt es. Daher ist der Einbau einer Transponiervorrichtung immer eine Modifikation, da zum Verschieben der Klaviatur Platz gebraucht wird und das Instrument breiter sein muss. Auch der Tastenumfang ist hier von Bedeutung. Die originalen Tastenumfänge geben ein deutlich originaleres Klangbild als eine erweiterte Klaviatur, für die das Gehäuse verbreitert werden muss. Wenn das Instrument einen 4´hat, wird dieser in der Regel als Klangfarbe für den 8´intoniert sein. Er selbst ist eher tonlos. Nur in wenigen Fällen ist es sinnvoll, den 4´als einzeln verwendbares Register zu intonieren, da er, wenn er zu kräftig ist, nicht mehr mit dem 8´verschmelzt.

Bei den meisten Cembali, wo der Bau eines 3. Registers möglich ist ( 4´), muss gut überlegt werden, ob man ihn braucht. Denn die meisten Instrumente haben mit 2 x8´genug Kraft, Klang und Obertöne, dass ein 4´fast unnötig wird. (Lediglich ein originales einmanualigs Ruckers mit der originalen Disposition 1x 8´und 1x 4´ bildet hier eine Ausnahme.) Auch gibt es bei 2-manualigen Cembali mit 2 Registern den Vorteil, dass man keine Schalthebel benötigt, da diese ein Verschleissteil sind
und durch das ständige Bewegen der Rechen mit den Springern die Kiele mehr Spielraum benötigen, um zuverlässig zu zupfen. Ohne Schalthebel kann man also beim Intonieren feiner arbeiten  und ein sensibleres Spielgefühl  erreichen.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 14. November 2009 um 15:36 Uhr