1) Clavichord
Zur Terminologie
Das Wort "Clavichord" besteht aus zwei Bausteinen: Clavis - die Taste und Chorda - die Saite.
Aus früherer Zeit sind jedoch auch andere Namen zur Bezeichnung dieses Instruments überliefert: Scaccarium, Eschacherio und Schachbrett. Darüber hinaus gab es Vermischungen mit dem Wort "Monochord", das ja eine Art "Ursprungsinstrument" des Clavichords darstellt. Dies ist auch die Ursache dafür, daß die Entstehung des Clavichords erst im 14. Jahrhundert belegt ist.
Im 16. Jahrhundert waren in Frankreich die Bezeichnungen "Manichorde" oder "Manichordion" verbreitet, in Italien die Bezeichnung "Manicordo",in Spanien und in Portugal hielten sich die Namen "Manicordio" und "Manicórdio" bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. In späterer Zeit wurde das Clavichord in Deutschland so populär, daß sich der Terminus "Clavier" einbürgerte, ein Oberbegriff, der eigentlich alles benennt, was Tasten hat.
Entwicklung
Das Clavichord läßt sich auf das Monochord, ein Instrument aus der Antike, zurückführen. Dieses war ein längliches Instrument mit einem rechteckigen Resonanzkasten, über den eine Saite gespannt wurde. Diese Saite wurde über einen Steg gespannt, der sich verschieben ließ und damit durch Veränderung des Saiten-Teilungsverhältnisses die Tonhöhe variierte.
Die Pythagoräer benutzen das Monochord zur Berechnung von Zahlenverhältnissen. Alle Gesetzmäßigkeiten im Kosmos und damit auch in der Musik wurden von ihnen auf einfache Zahlenverhältnisse zurückgeführt - ein Gedankengut, das im frühen Instrumentenbau ebenso wie in den Kompositionen J.S. Bachs wieder zu finden ist (Foto / Bild 1).

Monochord
Mit Zunahme der Saiten-Anzahl und damit auch der Anzahl der zu verschiebenden Stege war die Entwicklung eines Systems zur Anbringung fester Stege an häufig benutzten Teilungspunkten - statt der beweglichen Stege - naheliegend. Hierzu benötigte man eine Hebelmechanik, die die Stege bei Bedarf an die Saite andrücken konnte. Da solche Tasten von den viel älteren Orgeln bzw. Kleinorgeln, Portativen etc. bekannt waren, war die Entwicklung zu dem Instrument, das wir heute "Clavichord" nennen, vorgezeichnet. Als Nebeneffekt mußten Skalensysteme festgelegt werden, da die Tastenstege - Tangenten genannt - ja nicht mehr verschiebbar waren. Seit dem 10. Jahrhundert ist die Drehleier bekannt, ein beliebtes Instrument der damaligen Zeit, das auch "Organistrum" genannt wurde. Es handelt sich hierbei um ein Streichinstrument, bei dem tastenähnliche Schieber die Saiten berühren, die durch ein von einer Kurbel gedrehtes Rad gestrichen werden. Auch hierbei läßt sich unschwer ein Vorbild dessen erkennen, was sich später zum Clavichord entwickeln sollte.
Funktion
Beim Clavichord ist am Ende des Tastenhebels eine Tangente angebracht.Spielt man die Taste, drückt die Tangente gegen die Saiten und es entsteht ein zarter Ton (Foto / Bild 2). Die Kunst des Instrumentenbauers besteht nun darin,dem Spieler eine große klangliche Vielfalt zu ermöglichen bei einem Tastentiefgang von nur etwa 2mm.

Mein Ziel ist es, in jedem Instrument einen möglichst großen klanglichen Mikrokosmos anzulegen,der dem Spieler ein inspiriertes Spiel ermöglicht und gleichzeitig erzieherisch auf die pieltechnik einwirkt.Obwohl ein lautes Clavichord gerne gesehen wird, ist das wichtigste, unendlich viele Klangfarben und Nuancen bereit zu stellen.Das Instrument scheint beim Spielen immer lauter zu werden, weil das Ohr sich darauf einstellt.
2 manualiges Clavichord
(Foto / Bild 3)
Es gibt gebundene und bundfreie Clavichorde.Die gebundenen Clavichorde haben in der Regel eine zwei- manchmal auch dreifache Bindung.Das bedeutet, mehrere Tasten gehören zu einem Saitenpaar,ähnlich wie dies bei einer Geige der Fall ist, wo die Finger verschiedene Töne auf derselben Saite spielen.Wechselt man bei gebundenen Clavichorden die Finger nicht sauber ab,kann ein klirrendes Geräusch entstehen.
Bei etwas Übung läßt sich jedoch auf gebundenen Clavichorden absolut sauber spielen und selbst Triller auf gebundenen Tönen funktionieren einwandfrei.Ein Vorteil gebundener Instrumente ist, dass man nur die Untertasten stimmen muß und somit die Obertasten automatisch mit gestimmt sind.Die Tangenten müssen jedoch eventuell etwas gebogen werden,damit die Intonation sauber ist. Dies kann man leicht mit der Hand machen,ohne weitere Werkzeuge.Die bundfreien Instrumente haben immer ein Saitenpaar pro Taste zur Verfügung,dadurch deutlich mehr Saiten als gebundene Instrumente.Der Korpus ist tiefer, der Klang insgesamt weicher und für die Darstellung späterer Epochen geeignet.

Clavichordtypen
Im wesentlichen gibt es 3 Clavichordtypen.Zunächst die frühen Instrumente mit 4 Oktaven, oft mit kurzer Oktave C/E - c³. Diese sind immer 2-fach oder 3-fach gebunden.Die Literatur hierfür ist die Musik des 15.-17. Jahrhunderts.Jedoch lässt sich auch oft spätere Musik (J.S.Bach) darstellen,sofern der Tonumfang ausreicht. Oft sind die überlieferten Original - Instrumente anonym.
Mittlere Clavichorde.
Der Hauptvertreter ist Hubert.Überwiegend 2-fach gebundene Instrumente.Der Tonumfang ermöglicht die Barockmusik und frühe Klassik.Hubert Instrumente sind klanglich so zart und sensibel,dass Haydn, C.Ph.E. Bach und Mozart wunderbar darauf klingen,ebenso wie J.S.Bach.
Sie haben oft eine leichtere Spielbarkeit zugunsten einer unendlichen Vielfalt an Farben. Ihre Lautstärke ist mitunter etwas weniger stark als bei frühen Instrumenten.Späte Clavichorde. In der Regel bundfrei.Sie ermöglichen die gesamte Literatur vom Barock bis zur Klassik.Selbst früher Beethoven ist überzeugend darstellbar.Hauptvertreter sind Silbermann, Friederici, Schmahl, Schiedmayer, Horn.
Eine Sonderform sind die Pedalclavichorde.
Es handelt sich dabei um mehrere übereinander gestellte Instrumente,gelegentlich schubladenartig ineinander geschachtelt, die als Hausorgel dienen (Foto 3 und 4).J.S.Bach besaß ein Pedalclavichord zum Üben, ebenso Gerber. Adlung schreibt von zahllosen Pedalclavichorden, die während der Barockzeit in Gebrauch waren.
Man muss sich nun entscheiden, ob man ein Pedalclavichord als Übinstrument für die Orgel sieht oder als eigenständiges Instrument.Ich bevorzuge letzteres, was das Üben von Orgelliteratur keineswegs ausschließt.Ich baue diese Instrumente jedoch nicht als reine Übmaschinen,sondern als ausdruckssarke Instrumente, die vom Spieler alles fordern an Nuancen, Klang und Präzision, auch im Pedal. Wenn der Tonumfang der Manuale groß genug ist,kann man auch Bachs Goldbergvariationen in nie gehörter Klangschönheit darstellen.

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