Cembalo-Clavichord

Kunsthandwerk und Philosophie im historischen Instrumentenbau
Philosophie und Kunsthandwerk Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 19. Juli 2009 um 00:00 Uhr

Philosophie meiner Arbeit

Holzskulptur von Joe Racz 1998

Handgefertigte Skulptur von Joe Racz aus dem Jahr 1998

Unsere moderne Welt hat viele gute Eigenschaften und Talente, die einen Menschen ausmachen, ins "Aus" gedrängt. Arbeiten bedeutet heute Stress; Ziel des Arbeitens ist Geld verdienen und Rentenvorsorge.

Für mich ist Arbeiten Ausdruck persönlicher Kreativität; kunstvolles Gestalten lässt nicht nur meine Visionen Wirklichkeit werden, sondern es ist wichtig für meine eigene Entwicklung als Mensch.

So entsteht bei meinem Schaffen Lebensfreude. Die Folge davon ist, dass ich gerne arbeite, weil es ein Teil des Sinnes meines Lebens ist zu arbeiten. Meine Arbeit ist mir wichtig, die Musik ist mir wichtig, und so ist es nur natürlich, dass ich Materialien verwende, die mir für meine Kunst geeignet scheinen, und das sind die besten Materialien, die ich nur bekommen kann.

Meistens sind es die natürlichsten Rohstoffe, ebenso wie die natürlichsten Arbeitstechniken, die es mir ermöglichen, meine kreativen Visionen zu realisieren.

So kann ich mich am besten als Kunsthandwerker entfalten. Dies ist der Grund, warum ich nur bestes Massivholz verwende, warum ich gerne mit dem Hobel arbeite und warum ich bei der Dekoration von Instrumenten Schellackpolitur, Wachs oder Farben auf Kaseinbasis dem Lackieren in einer Spritzkammer vorziehe.

Bei jedem Tun ist das Wichtigste neben fachlicher Kompetenz, dass ich es liebevoll tun kann. Nur dann macht die Arbeit Freude und wird nicht zur Qual. So wende ich mich in meiner Werkstatt jedem Detail liebevoll zu. Zeitdruck und Hektik gibt es nicht. Das ist sehr wichtig, denn die Arbeit muss zwar konzentriert gemacht werden, aber der Arbeitende soll dabei völlig entspannt bleiben.

Denn ähnlich wie beim Musizieren stören körperliche Verspannungen oder psychischer Stress die Konzentration und beeinflussen die Qualität der Arbeit. Ich bin überzeugt, dass die alten Meister ihre Arbeit ähnlich empfanden.

Die Arbeitstechniken des 17. und 18. Jahrhunderts sind optimal ausgerichtet, um niveauvoll, ästhetisch und künstlerisch wertvoll zu gestalten, jenseits der "Errungenschaften" der industriellen Revolution.

Beim Arbeiten ist nicht die äußere Zeit wichtig, also etwa die Zeit, die ein Arbeitsgang benötigt, sondern die innere Zeit. Der eigene innere Rhythmus ist der Maßstab, wie schnell die Dinge in Harmonie geschehen sollen. Nur dann ist die Zeit sinnvoll eingesetzt.

So ist für mich beispielsweise das maschinelle Schleifen von 50 Resonanzböden in einer Stunde eine tote, sinnlose Zeit für den Arbeitenden. Der Arbeiter bleibt unbeteiligt, denkt an etwas anderes. Sein Tun bleibt innerlich leer, und sein Augenmerk gilt lediglich dem Ticken der Uhr.

Sinnvoll genutzte Zeit ist für mich jedoch, wenn in derselben Stunde ein einzelner Resonanzboden mit dem Handhobel ausgehobelt wird. Der Arbeitende ist beteiligt und konzentriert, er fühlt mit, spürt dem Holz nach, und er nutzt seine Sinne = sinnvoll. Ich bin sicher, dass ein solcher Resonanzboden schöner klingen wird als die 50 anderen.

Zeit ist also relativ. In meiner Werkstatt geht es darum, effektiv zu arbeiten, die Zeit jedoch sinnvoll zu nutzen, das bedeutet, alles Tun sinnlich zu erleben. Die Instrumente, ( Clavichord,Cembalo oder Klaviere ) die dabei entstehen, sind das Ergebnis meines Lebensweges als Kunsthandwerker.



Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 07. Juli 2010 um 15:32 Uhr