| Bau historischer Tasteninstrumente |
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| Geschrieben von: Administrator |
| Mittwoch, den 22. Juli 2009 um 14:28 Uhr |
Bau historischer Tasteninstrumente
Der Nachbau eines historischen Tasteninstruments erfordert zahlreiche Voraussetzungen. Neben kunsthandwerklichen Fähigkeiten und äußerst feinfühligem Umgang mit dem Material Holz sind umfassende Kenntnisse der erhaltenen Originale nötig. Hierbei kommt es darauf an, das Konzept der originalen Vorlage zu verstehen. Es geht also nicht zwingend darum, das Instrument haargenau zu kopieren, sondern darum, es zu verstehen. In diesem Sinne sind die von mir gebauten Instrumente meine Interpretation der originalen Vorlage unter größter Beachtung des Spielgefühls, der Tastenübersetzung und des klaren Klanges, den ich anstrebe. Ich mag den antiken Klang, den ich bei meinen Instrumenten zu realisieren suche. Grundsätze meiner Arbeit
Ich stelle grundsätzlich alle Teile eines Instruments in meiner Werkstatt her. Ausnahmen bilden z.B. Saiten, Wirbel und Kasimir [Wollfilz], die ich beziehe. Das Holz, das ich verarbeite, suche ich sehr sorgsam aus und trockne es jahrelang. Ich verarbeite nur bestes Holz. Als Resonanzholz verwende ich gerne Resonanzböden alter Instrumente, ca. 200 Jahre alt. Eingekauftes Resonanzholz beziehe ich vom Lieferanten von Bösendorfer. Manchmal hole ich es auch aus dem Fiemetal, woher bereits Stradivari sein Holz bezog. Giftige Leime und Lösemittel verwende ich nie, schon weil ich selbst diesen ausgesetzt wäre. Die natürlichen Leime und Farben sind mir die liebsten. Bei Resonanzböden und klingenden Teilen wie Stege verwende ich nur Warmleim. Ich arbeite viel in reiner Handarbeit in den jeweiligen Handwerkstechniken des 17. und 18. Jahrhunderts. Ich bin davon überzeugt, dass Instrumente, die so gebaut wurden, in sich stimmiger sind, besser klingen und dauerhafter sind als Maschinenware. Jedoch muss man unterscheiden zwischen rein ästhetischen Aspekten der Handarbeit und solchen, die den Klang oder die Spielbarkeit beeinflussen. Bei einigen Modellen benutze ich mehr Maschinen, aber nur in Bereichen, die sich auf rein äußere Ästhetiken beziehen wie z.B. die Profile. Diese werden dann gefräst und nicht von Hand gehobelt. Ich tue dies im Sinne des Kunden, dem ich so einen weit günstigeren Preis für ein Instrument bester Qualität anbieten kann. Bau eines InstrumentsJedes Instrument wird mit größter Sorgfalt gefertigt. Hierbei ist Zeit ist ein wichtiger Faktor. Im historischen Instrumentenbau benötigen die Fertigungsschritte mehr Zeit als bei modernen Fertigungsmethoden. Auch ist der Bau abhängig von Witterung, Luftfeuchtigkeit, Jahreszeit. So ist es schwierig, die genaue Fertigstellung vorherzusagen. Je länger ein Instrument für die Bauzeit in Anspruch nehmen darf, umso "historischer" kann ich bauen. Wünscht der Kunde rasch ein Instrument, bedeutet das je nach den Umständen Kompromisse. Ferner ist wichtig, zu wissen, dass beim kreativen historischen Bauen jeder Arbeitschritt Einfluss auf den nächsten hat. So entsteht ein kreatives Gesamtkunstwerk, nicht reproduzierbar. Es ist also bei dieser Bauart nicht möglich, zweimal dasselbe Instrument zu bauen. Auch bei der Holzauswahl ist wichtig, zu wissen, dass Automatismen nicht funktionieren. So muss ich beispielsweise für den Resonanzboden das jeweils richtige Holz aussuchen. Viele Kunden wollen altes Resonanzholz, und ich selbst verwende gerne altes Holz. Aber: es ist ein Mißverständnis, zu glauben, dass altes Holz automatisch gut klingt, jüngeres schlechter. Es muss einfach das richtige Holz für das jeweilige Instrument genommen werden. Hier ist das Gespür des Cembalobauers wichtig. Pflichten des KundenWenn ein Kunde ein Instrument wünscht, das historisch gebaut wird, am besten mit altem Holz, muss der Kunde sich klar machen, dass er ein solches Instrument dementsprechend behandeln muss. Altes Holz ist spröder als junges, springt leichter, vor allem, wenn man das Instrument viel transportiert oder Zentralheizungen aussetzt. Wenn ein Kunde solches vorhat, sollte das richtige Holz, passend zur Verwendung, gewählt werden. Wenn lange Stimmhaltung gewünscht ist, muss alles etwas formstabiler gebaut werden zu Gunsten der Stimmhaltung. Dadurch wird jedoch der Klang verändert, da im historischen Instrumentenbau die Veränderung eines Parameters eine Veränderung aller anderen Parameter bewirkt. So wird ein filigranes Instrument zwar antiker klingen, aber auch empfindlicher sein. Sollen historische Tuche verwendet werden, muss sich der Kunde bewusst sein, dass es mehr Nebengeräusche gibt. Eine historische Bemalung ist lange nicht so perfekt wie eine moderne. Es gibt mehr sichtbare Pinselstriche, Unregelmässigkeiten, die eine gute Fernwirkung haben, aber direkt aus der Nähe betrachtet keine ebenmässige Fläche bilden. Und eine solche historische Bemalung ist nicht wasserfest. Und so fort. Daher ist mir wichtig, im persönlichen Gespräch mit dem Kunden das für ihn perfekte Instrument zu ermitteln. Als Faustregel kann man sagen, dass der Kunde sich auf das Instrument einstellen sollte, nicht umgekehrt. Ebenso ist es richtig, historische Klaviaturen zu bauen und der Besitzer spielt sich darauf ein, als zu versuchen, einer möglicherweise unhistorischen Spieltechnik des Käufers zuzuarbeiten und dadurch den historischen Baustil zu verlassen. Da ich selbst in historischen Spieltechniken ausgebildet bin, bin ich sensibel dafür, meine Instrumente auf eine leichte, historische Spielart einzustellen, wie die Originale im Museum sie haben. Der Kunde sollte sich also dem Instrument anvertrauen und von dem Instrument lernen, wie es gespielt werden will. Deshalb sollten alle Wünsche und Vorstellungen des Kunden in einem Gespräch Beachtung finden, um zu einem guten Gesamtergebnis zu kommen.
Gestaltung der InstrumenteFür die äußere Gestaltung der Instrumente gibt es folgende Optionen:
Gelegentlich verwende ich auch zur Dekoration des Klaviaturraums Perlmutt oder auch "pflanzliches Elfenbein" genannte Tagua- Nüsse. Zur Zeit stehen zur Gestaltung der Gehäuse folgende Holzsorten ( mit stehenden Jahresringen ) abgelagert bereit:
Mein derzeit ältestes Holz wurde 1945 gefällt. |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. November 2009 um 22:21 Uhr |






